Victor Solf mit Debütsingle »Traffic Lights«

Victor Solf von dem französischen Duo Her veröffentlichte vor kurzem seine Debüt-Single »Traffic Lights«. Am 31. Januar erscheint dann seine EP »Aftermath«.

Rennes ist nicht nur eine der musikalisch lebhaftesten Städte Frankreichs, sondern auch der Ort an dem Victor Solf und sein bester Freund Simon Carpentier zu Her wurden und anfingen ihre super sexy Songs zu schreiben.

Aber Ruhm, Welttournees und Hits können sich im Nachhinein auch als Fluch herausstellen. Simon Carpentier wurde krank und starb am 13. August 2017, nur wenige Monate vor der Veröffentlichung des ersten Albums der Band. Er war 27. Als Victor dann am 2. Februar 2019 allein auf die Bühne ging, um eine ausverkaufte Show im Pariser Zenith zu spielen, hatte er sich bereits entschlossen, das Projekt Her zu beenden.

Victor Solfs erste Solo-EP heißt “Aftermath”. Sie ist weder wütend noch bitter. Victor hatte zwei Möglichkeiten: entweder das Klavier selber in die Hand zu nehmen und fleißig zu üben oder sich mit bereits etablierten Pianisten zu umgeben, die in der Lage sein würden, die Schönheit des Werkes des Neoparisers in Szene zu setzen. Solf kontaktierte Gonzales und Yann Tiersen, bevor er sich letztendlich entschied, mit Guillaume Ferran, einem ehemaligen Mitglied von Quadricolor und Griefjoy und ganz besonders hochtalentierten Klavierspieler zusammenzuarbeiten.

Eine seiner wichtigsten Ambitionen war es, nicht im Studio zu arbeiten, sondern mit seinen Maschinen und Instrumenten, darunter ein Gaveau-Klavier aus den 70er Jahren, zu Hause zu bleiben. Mit Elton John und Nina Simone als Vorbilder versuchte er, gute Songs zu schreiben, die über einem bloßen Klavier gesungen werden können, ohne zusätzliche Produktionsarbeit. “Danach habe ich versucht, die Songs moderner zu machen, indem ich sie mit Maschinen verarbeitet habe”.

Als nächstes fügte er verzweifelt neue Elemente hinzu und entfernte sie wieder, um schließlich zu Soul- und Gospel-getönten Songs zu gelangen, Musik für überhitzte Seelen. “Es war eine Abfolge von Vorurteilen und Beschränkungen, selbst bei der Wahl des Toningenieurs für den Mix. Ich suchte nach einem Sounddesigner, jemanden wie James Blake oder Charli XCX – jemanden, der praktisch nie einen Fuß ins Studio gesetzt hat.”

Victor entschied sich schließlich für David Spinelli, ein weiteres Mitglied des Quadricolor/Griefjoy Pop-Teams, und dann für Nomak vom “Point-Point Kollektiv”. Jeder Voice-Take und Drumsound wurde so verarbeitet, um sich so gut wie möglich von Her zu lösen. “Ich realisierte, dass mein Songwriting immer anders, persönlicher und einfühlsamer gewesen war. Ein Song wie ‘Traffic Lights’ ist sehr persönlich, weil er erzählt, was ich erlebt habe, und er verkörpert alles, was ich als Solokünstler sein möchte. Das Gleiche gilt für ‘Hero’, in dem ich erkläre, dass ich sehr lange Zeit ein Spiel spielen musste. Ich war eben gezwungen im Rampenlicht zu stehen. Ich liebe Menschen, den Kontakt mit ihnen. Am Ende jedes Her-Konzerts konnte ich locker zwei Stunden an unserem Merchandising-Stand verbringen und mit den Fans plaudern. Dank neuer Technologien möchte ich dem Publikum noch näher kommen und mich selbst beim Singen am Klavier zu filmen. Ich will keine Rollen mehr spielen. Ich bin Victor Solf. Es steht auf dem Plattencover.”

Seit Beginn seiner Karriere als Sänger hat sich Victor Solf immer wieder gefragt, welche Sprache er verwenden soll. Immer wieder wurde Französisch vorgeschlagen und höflich abgelehnt. “Ich will es mir nicht verbieten Französisch zu benutzen, zumal ich mir sehr gerne die Werke von Michel Berger anhöre, die, obwohl sie auf Französisch geschrieben wurden, sehr Englisch klingen. Aber Soul und Gospel haben mich nun mal mit voller Kraft erwischt. Das ist mein Schicksal!”

Mit der Entscheidung einige Schwergewichte anzunehmen hat sich Victor Solf selbst übertroffen. Er gibt zu, dass es eine ziemliche Herausforderung war, mit solchen Referenzen nicht “retro” zu klingen. Er konnte das vermeiden, indem er sich daran erinnerte, wie er mit Bach und Ravel aufgewachsen war, aber auch mit deutschem Minimal-Techno oder elektronischer Musik aus England. Aus dieser Mischung von Epochen und Genres entstand ein ausgesprochen moderner und futuristischer Sound. Ein reines Produkt dieser Zeit von “weniger ist mehr”, Solfs Musik glaubt an Fortschritt und Menschlichkeit ebenso wie an künstliche Intelligenz. Auch wenn er als Kind Raketen in seinem Zimmer hatte, kann sich Victor nicht vorstellen, wie der von Elon Musk und Steven Hawking prognostizierte große Exodus im Weltraum aussehen könnte. Für ihn und seine Songs ist die Zukunft bereits da, in einer 2.0 Menschheit. “Ich war immer fasziniert von dem, was passieren würde. Auch wenn die Zeit knapp wird, ist es noch nicht vorbei. Hier auf der Erde haben wir alles was nötig ist, um Großes zu erreichen. Die Menschheit wird stark unterschätzt.”

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